Sonntag, 1. August 2021

Lammas - 01. August (Gastbeitrag von Beleniel)

 

Das Jahreskreisfest Lammas 

Ein Gastbeitrag von Beleniel 


Lammas ist ein altes heidnisches Jahreskreisfest, das im Neuheidentum wieder mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommt. Lammas markiert den Beginn der Erntezeit und die Erntezeit beginnt mit der Getreideernte, daher wird es auch Schnitterinnenfest genannt oder die Feier des ersten Brotlaibs. Gefeiert wird Lammas am 1. August. Da dies ein fester Feiertag für Mutter Erde ist wird dieser als ein größerer Sabbat gesehen und dem weiblichen Prinzip zugeordnet.


In Irland wird dieses Jahreskreisfest auch Lughnasadh genannt – gefeiert wird der keltische Gott Lugh, der Gott des Handwerks und der Magie. Lughnasadh war eine Zeit natürlicher Magie, als die Erde, unsere Mutter, wieder die Früchte und das Getreide lieferte, das wir so dringend zum Leben benötigten.


Jetzt beginnen die faulen Tage des Hochsommers, die Gärten sind voller Leckereien, die Felder voller Getreide und die Ernte beginnt. Jetzt ist die perfekte Zeit, um sich einen Moment der Ruhe zu gönnen, den Sommer zu genießen, sich in der Hitze zu entspannen und über die bevorstehende Fülle der Herbstmonate nachzudenken. Zu Lammas ist es an der Zeit zu ernten, was in den letzten Monaten gesät wurde (natürlich auch im übertragenen Sinne auf unser Leben bezogen) aber auch zu erkennen, dass die hellen Sommertage bald zu Ende gehen werden.


Lammas und Opferbringen


Das Thema “Opfer” ist ein wichtiger Aspekt von Lammas. Die „heilige Ernte“ stellte das Opfer des gehörnten Gottes dar, wie er sich durch das Getreide manifestiert, um das menschliche Leben zu erhalten. Er stirbt bei der Ernte, um im Frühjahr wieder geboren zu werden. Dieses archetypische Thema des altruistischen Opfers durch den Tod wird durch die Ernte des ersten Getreides dargestellt. Also wurden die ersten Ernten als Opfer den Göttern angeboten und Lugh und Danu wurden angerufen, um die Ernte zu schützen. Es wurde ein Laib Brot gebacken und unter der Dorfgemeinschaft geteilt (aus dem Englischen “Loaf-Mass” wurde “Lammas”), um den gehörnten Gott, der das Korn geworden ist, in sich aufzunehmen. (Klingt nach einem bekannten Brauch aus dem Christentum, oder?)

Ein typisches Opfer beinhaltet, dass etwas oder jemand von sich selbst frei und selbstlos für andere gibt. Opfer beinhaltet eine Form von Energie, die sich selbst aufgibt, um sich in etwas anderes verwandeln zu können. Dieses Geheimnis des Opfers, des selbstlosen Opfers, ist was Lammas im Kern ausmacht und so wichtig war, dass es auch Einzug ins Christentum gefunden hat (Gott liebte die Menschen so sehr, dass er seinen einzigen Sohn opferte – der dann ebenfalls wiederauferstanden ist.)

Viele verschiedene spirituelle Gelehrte und Gurus, wie z.B. Mooji drücken dies aus als “Das Leben kümmert sich um das Leben“. Viele gehen davon aus, dass sei nur im Schönen, Guten gemeint, doch genauso gut könnte man sagen “Das Leben ernährt sich vom Leben“. Wenn wir überleben wollen, so müssen wir töten, sei es nun ein Tier oder eine Pflanze, der wir ein Opfer abverlangen. Alles ist ein geschlossener Kreislauf. Das Kaninchen ernährt sich vom Gras am Boden, der Falke jagt das Kaninchen und Menschen schießen den Falken. Diese Menschen gehen dann nach ihrem Tod wieder in den Schoß der Erde ein und werden zu dem Gras was wieder Kaninchen nährt. Das Problem ist nur, dass wir Menschen begonnen haben mehr zu nehmen als wir benötigen, mehr als uns zusteht und damit diesen harmonischen, aber empfindlichen Kreislauf stören.


Es gibt eine göttliche Perspektive und eine weltliche Perspektive auf das Thema Opfer und das Thema Leid oder Schaden. Die göttliche Perspektive ist die mystische Sicht der Existenz und Opfer ist ein ganz essentieller Bestandteil von Existenz. Diese göttliche Perspektive kennt keinen Unterschied zwischen Leben und Tod, hell und dunkel, weil das Leben ein funktionierendes Ganzes, eine Einheit ist. Aus dieser distanzierten Sicht gibt es kein Leid und keinen Schaden, den man jemandem zufügen kann oder der einem zugefügt werden kann, da nichts unabhängig von etwas anderem existiert. Es gibt daher also auch niemanden der Schaden anrichtet und niemanden dem geschadet wird.

Aus der weltlichen Perspektive bezeichnen wir es als “töten und essen”, aber aus der göttlichen Perspektive wird dieses Etikett entfernt und es ist nur noch eine weitere von unzähligen Funktionen der Existenz, des Lebens. Aus der alltäglichen praktischen Perspektive, in der wir täglich leben, gibt es jedoch ganz klar einen Unterschied zwischen Töten und Nicht-Töten. Wir bemerken Schaden und Leid.

Auf dieses mystische Paradoxon möchte Lammas uns aufmerksam machen und lädt uns ein, es direkt anzusehen und für uns zu klären. Lammas weckt in uns ein Gefühl des bewussten Lebens. Es fordert uns auf, den Bezugsrahmen des großen Ganzen in unser tägliches Leben zu übernehmen, während wir unser Bewusstsein für ein dauerhaftes Gefühl der Dankbarkeit für das Opfer der Pflanzen und Tiere öffnen, die wir konsumieren.

 

Rituale zu Lammas – Einen Altar dekorieren

 

Wenn du Zuhause einen eigenen Altar hast, oder haben möchtest, ist Lammas ein guter Zeitpunkt um ihn, passend zur Jahreszeit, zu dekorieren.

Dekoriere deinen Altar mit einem schönen Tuch oder generell in Farben, die den Wechsel vom Sommer zur Ernte symbolisieren. Frische Brötchen, Weizenhalme, Gerste oder Maiskolben sowie frisches Obst wie Trauben oder Äpfel oder auch Wein und Weinreben, aber auch Nüsse und erste Erzeugnisse der Ernte, z.B. Marmelade oder selbst gebackenes Brot passen gut zur Bedeutung dieses Sabbats.


Traditionelle Lammas Symbole sind das gebogene, gefüllte Füllhorn, Kessel oder Opferschale, sowie Sonnensymbole wie z.B. ein mit Blumen geschmücktes Sonnenrad. Als Blumen können sehr schön Kornblumen, Mohn, Sonnenblumen und Rosen verwendet werden. Rote und braune Kerzen oder Kristalle (Karneol, Citrin, Tigerauge, Aventurin oder Obsidian) und Girlanden in den Farben des Sabbats können zur Dekoration verwendet werden.


Da an diesem Tag auch Lugh, der Gott der Handwerker, geehrt wird, passen auch Gegenstände aus Eisen gut auf den Altar, wie z.B. Werkzeuge (Sense, Sichel). Diese Jahreszeit eignet sich in diesem Zusammenhang auch gut für Schutzmagie.

Lammas zugeordnete Kräuter (z.B. für die Herstellung von Räucherwerk) sind z.B. Schafgarbe, Ringelblume, Goldrute, Rosmarin, Eisenkraut, Beifuß, Akazie, Mädesüß, Apfel- und Himbeerblätter, Heliotrop, Mohn, Weinreben und Holunder.



Rituale zu Lammas – Hausschutz Ritual

Für dieses Lammas Ritual benötigst du frische Lebensmittel und eine braune Kerze.

Früher war es Brauch, die erste Garbe der Jahresernte, die als höchst magisch galt, feierlich über die Haustürschwelle zu tragen, um Glück und Schutz vor Krankheit und Armut für das kommende Jahr zu gewährleisten.

  1. Ernte oder kaufe Lebensmittel oder Getreide, welches Attribute symbolisiert, die du dir in deinem Leben wünschst, z.B. orangene Karotten für die Wärme der Sonne, rote Paprika für Lebensfreude und Vitalität oder grüner Apfel für weibliche sinnliche Energie, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

  2. Bevor du die Lebensmittel ins Haus bringst, zünde die braune Kerze an und halte sie in der linken Hand.

  3. Halte das Essen über die Flamme und sage für jedes Lebensmittel: “O heiliger Lugh, Herr der Ernte, bring <<gewünschten Zustand>> mit dieser geernteten Frucht des Landes in mein Haus.”

  4. Überschreite die Schwelle und stelle die Lebensmittel und die brennende Kerze in die Nähe des Eingangs ab.

  5. Lass die Kerze ausbrennen, bereite dann eine Portion Essen zu und esse es in Ruhe und Stille.

  6. Stell dir vor, wie die gewünschten Attribute in dich übergehen und wie es aussieht, wenn du das gewünschte Attribut auslebst.


Rituale zu Lammas – Gemeinsames Brotbrechen

Für dieses Lammas Ritual benötigst du ungeschnittenes Brot, mehrere leere Papierstücke, einen Stift mit roter Tinte und einen Kessel oder ein anderes feuerfestes Gefäß.




Das gemeinsame Brotbrechen ist DIE alte Lammas Tradition. Jedes Mitglied der Gruppe versieht das Brot mit Dank und guten Wünschen, dann wird es gebrochen und geteilt, um seine Tugenden und Segnungen in sich aufzunehmen. Das Ritual kannst du genauso gut auch allein durchführen.

 

  1. Jeder schreibt mit dem roten Stift einen Wunsch, einen Dank oder einen Segen auf das ein Stück Papier.

  2. Legen alle Papierstücke in dein feuerfestes Gefäß und zünde sie an.

  3. Halte das Brot über die Flammen.

  4. Alle Anwesenden stellen sich all die guten Wünsche vor, die durch die Flammen in das Brot gelangen.

  5. Sage dabei: „Huf und Horn, Huf und Horn, all das, was stirbt, wird wieder geboren. Mais und Getreide, Mais und Getreide, alles was fällt, wird wieder steigen. (3x) Wir alle kommen von der Göttin und zu ihr werden wir zurückkehren. Wie ein Regentropfen, der zum Meer fließt.“

  6. Brich das Brot, während die Flammen erlöschen, und gib Teile davon an alle Anwesenden weiter, die sagen: “Mögen wir niemals an etwas hungern!”

  7. Wenn du dein Stück isst, stell dir vor, dass du mit all seinen Wünschen und Segnungen erfüllt wirst.


Rituale zu Lammas – Natürliches Geben: Dein Opfer an das Leben

Die Natur gibt selbstlos und in Fülle von sich selbst. Das Gras wächst, egal wie oft man es mäht. Bäume tragen jedes Jahr Früchte und denken nie daran, wer davon isst. Dies ist eine äußerst mächtige magische Praktik, die als “natürliches Geben” bezeichnet wird. Es bringt einen positiven Fluss spiritueller Energie für sich selbst und andere.

Selbstlosigkeit bedeutet nicht, sich von anderen Menschen missbrauchen oder ausnutzen zu lassen. Es bedeutet, nicht zu widerstehen, wenn Dinge getan werden müssen. Es bedeutet, sich ohne zu zögern in den Fluss deines eigenen Lebens zu begeben. Es bedeutet, sich voll und ganz mit der Natur und dem Universum auseinanderzusetzen.

Nicht wirklich ein Lammas Ritual aber passend zur Bedeutung dieses Feiertags ist jetzt ein guter Zeitpunkt dich darin zu üben so frei von dir selbst zu geben, wie die Natur es tut.

Geben durch Zuhören

Höre jemand anderem tief zu, ohne dich zu deinem eigenen Leben oder deinen Interessen zu äußern. Höre einfach mit voller Aufmerksamkeit zu und wiederhole die Informationen, die du gehört hast in eigenen Worten.

Zeit schenken

Spende ein bisschen deiner Zeit für einen guten Zweck, z.B. durch freiwillige/ ehrenamtliche Arbeit. Wähle dafür eine Aktion, für die du deine ehrliche und beste Leistung bringen kannst. Wenn wir das Leben gründlich betrachten, was haben wir dann wirklich in jedem Moment – außer unserer Zeit und einander?

Energie schenken

Setze dich mit deiner ganzen Kraft und Liebe für eine Aufgabe ein, die dir persönlich nicht zugutekommt. Bereite jemand anderes Lieblingsessen zu. Erledige für jemanden anderen die Aufgaben, vor denen er oder sie sich schon die ganze Zeit drückt. Biete jemandem in Not deine Hilfe an. Führe ein selbstloses Ritual für jemand anderen durch. Es gibt viele Wege seine Energie selbstlos zu verschenken.

Ich wünsche dir ein wunderbares, gesegnetes und magisches Lammas-Fest!

 

Alles Liebe, 


 




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